Mittwoch, 18. September 2019

Notruf Feuerwehr: 112

Ausbildung zum Motorsägenführer

Im März 2001 haben fünf Kameraden unserer Wehr ihre Ausbildung zum Motorkettensägenführer der Feuerwehr abgeschlossen. Höhepunkt des Lehrgangs war ein "Geländetag" in einem verschneiten Waldstück bei Kippsdorf.

In einem über hundertjährigen Fichtenbestand mussten die Teilnehmer beweisen, dass die theoretischen Ergüsse des Ausbilders nicht spurlos an ihren Ohren vorbeigerauscht waren. Im Feuerwehrdienst setzen wir die Kettensäge ein, um Straßen von entwurzelten Bäumen zu befreien, Wildwuchs zu beseitigen oder um uns Zugang zu Brandobjekten zu verschaffen.

 Die Kameraden begutachten den zu fällenden Baum. Es gilt: Erst schauen - dann hauen!

Folgende Fragen müssen sie sich stellen: Wohin soll der Baum fallen? In welche Richtung hängt der Baum? Wie hoch ist er? Wie ist die Krone ausgebildet? Gibt es lose Äste, die während der Fällarbeiten herunterfallen könnten? Ist das Holz gesund oder faul? Befinden sich Menschen oder Sachwerte im Fällbereich?
saege 6>> Falls der Baum doch nicht so will, wie der Sägenführer, muss ein schneller Rückzug möglich sein.
Also: Erst das „Hinterland“ entrümpeln (Steine, Gestrüpp), dann sägen.

Bäume mit starkem Stammfuß lassen sich einfacher zu Fall bringen, wenn die Wurzelanläufe vorher gekappt werden.
Schnittschutzhosen, Forsthelm (Helm kombiniert mit Gesichts- und Gehörschutz) und Handschuhe sind unentbehrliches Zubehör für die sichere Waldarbeit.

Der Fallkerb (bestimmt die Fallrichtung) ist herausgesägt und der Baum bis auf wenige Zentimeter vom Stumpf abgetrennt. Jetzt wird der Baum umgekeilt, und nicht, wie landläufig angenommen, umgesägt. Hierbei ist Augenmaß gefragt. Hat man zuviel Holz zwischen Stumpf und Stamm (Bruchleiste) stehen lassen, verschwinden die Keile im Holz, ohne dass der Riese kippt.

In solchem Fall muss die Säge nochmals behutsam angesetzt werden.

saege 3>> Vor dem Fällschnitt Warnruf nicht vergessen:
"Achtung, Baum fällt!"

Geschafft!
Erst wackelt die Krone, dann neigt sich der Baum kaum merklich.
Ein Knistern und Knacken ist der Vorbote des Kollaps` und dass Signal für den Sägenführer zum Rückzug.
Die Bruchleiste hält den Stamm am Stumpf fest und zwingt den Baum in die vorgesehene Fallrichtung.
Trotzdem muss der Feuerwehrmann den fallenden Riesen bis zum Aufschlag im Auge behalten.

Sägenführer und Ausbilder beobachten, wie die zu Boden stürzende Fichte durch das Astwerk der Nachbarbäume bricht...
... und geräuschvoll auf den verschneiten Waldboden aufschlägt.

Ein kleines Schneegestöber ist alles, was für Sekunden noch von der einstigen Herrlichkeit des Baumes kündet.saege 4
Der Ausbilder begutachtet den Stumpf. Erst jetzt kommt ans Licht, ob der Sägenführer mit Augenmaß gearbeitet hat. Haben sich die verschiedenen Fällschnitte (nötig bei Bäumen, die dicker sind, als das Schwert der Säge lang ist) getroffen?
Ist der Fallkerb sauber ausgesägt? Ist die Bruchleiste dick genug gewesen oder hat der Sägenführer sie durchtrennt (Baum „totgesägt“)?
Jetzt wird auch die Holzqualität sichtbar. Wer Lust hat, kann noch die Jahresringe nachzählen. So bekommt man die nötige Ehrfurcht vor den Leistungen der Natur zurück, die bei der Arbeit mit einem so brachialen Werkzeug, wie der Kettensäge, schon mal abhanden kommt.
Nach dem Fällen fängt die Arbeit erst richtig an - Entasten ist ein Knochenjob, besonders am Hang und auf schneebedecktem Boden. Da merkt der Sägenführer erst, wie schwer sein Werkzeug eigentlich ist. Kreuzschmerz und „lange Arme“ sind unliebsame Folgeerscheinungen.
Fazit:
Alle Lehrgangsteilnehmer haben von einer Karriere in der Forstwirtschaft Abstand genommen.


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