Mittwoch, 18. September 2019

Notruf Feuerwehr: 112

Brandbekämpfung in Wohnräumen

Zu den schwierigsten und gefährlichsten Aufgaben der Feuerwehr zählt die Brandbekämpfung in Gebäuden – speziell in Wohnungen. Der Brandraum ist mit Ruß und hochgiftigen Brandgasen gefüllt, es ist völlig dunkel und sehr heiß. Das Terrain ist unbekannt. Doch überall können noch Menschen sein, die auf Rettung hoffen.

Um in so den Einsatzauftrag „Menschenrettung und Brandbekämpfung“ erfüllen zu können, muss der Feuerwehrmann die taktisch einem Szenarchen Grundsätze für das Vorgehen in Brandräumen kennen und die Anwendung des Atemschutzgerätes sicher beherrschen.
Beides trainierten vier Kameraden unserer Wehr im Brandhaus der Berufsfeuerwehr Dresden in Übigau.

Die Anlage wird von einem Leitstand per Computer gesteuert. Zusätzlich überwacht ein Ausbilder den Ablauf der Übung direkt in der Anlage.
Die Übungsteilnehmer erhalten den Auftrag, ausgerüstet mit Atemschutzgeräten und einem gefüllten C-Druckschlauch, in das Gebäude einzudringen und vermisste Personen zu bergen.
Dabei stellt sich ihnen das Feuer in den Weg.

Dazu gehört:

  • Pressluftatemgerät
    mit einem Luftvorrat für etwa 30 Minuten
    Gewicht: ca. 15 kg
  • Atemschutzmaske
  • Feuerwehrschutzanzug mit Überjacke (Hitzeschutz)
  • Feuerwehrschutzstiefel
  • Sicherheitsgurt mit Feuerwehrbeil
  • Feuerwehrschutzhelm
  • Feuerwehrschutzhandschuhe
  • Feuerwehrleine 30m
  • Sprechfunkgerät

Zuvor hatten alle Teilnehmer des Seminars, darunter auch Kameraden aus Karsdorf und Rabenau, noch einmal theoretischen Unterricht über das richtige Vorgehen in Brandräumen erhalten.
Der Angriffstrupp steht im Eingangsbereich des Brandhauses bereit.
Der Truppführer erhält den Einsatzbefehl über Funk vom Ausbilder im Leitstand:
"Angriffstrupp zur Menschenrettung und Brandbekämpfung mit C-Rohr unter Pressluftatemgeräten ins Erdgeschoss vor!"flu 2002 8

Er wiederholt den Einsatzbefehl.
Er gibt weiterhin den eigenen Atemluftvorrat und den des Truppmanns durch. Im Einsatzfall müssen die Drücke, die Nummern der Pressluftatemgeräte und der Zeitpunkt des Einsatzbeginns genau vermerkt werden. So kann rechtzeitig ein Rettungstrupp eingreifen, falls der Angriffstrupp nicht bei Überschreitung der festgelegten Atemluftreserve zurückkehrt.
Der Trupp ist jetzt von der Umgebungsatmosphäre unabhängig und kann in Räumen, die mit Atemgiften verseucht sind, ruhig arbeiten.
Der Angriffstrupp, nimmt seine Pressluftatemgeräte in Betrieb. Dazu wird erst einmal die Atemschutzmaske angelegt. Sie bedeckt Augen, Nase, Mund und Kinn des Trägers und muss absolut dicht sitzen. Sie bietet Schutz gegen Wärmestrahlung und mechanische Verletzungen. Das Sichtfenster besteht aus zwei miteinander verklebten Kunststoffschichten und bleibt selbst bei Beschädigung dicht.
Durch eine Membran wird die Sprache des Maskenträgers recht deutlich nach außen,
z. B. ins Mikro des Funkgerätes, geleitet.

Danach wird das Ventil der Pressluftflasche geöffnet und der Luftschlauch mit Lungenautomat an die Maske angeschraubt. Dabei unterstützen sich die Kameraden gegenseitig.
Die Übung beginnt. Aus der Deckung heraus öffnet der Truppführer die Tür zum Brandraum. Dort können sich bereits heiße Brandgase angesammelt haben, die durch die plötzliche Sauerstoffzufuhr explodieren und den gesamten Raum schlagartig entzünden könnten (so genannter Flashover bzw. Durchzündung). Der Truppmann richtet daher sofort den Sprühstrahl gegen die Decke des Raumes, um das explosive Gasgemisch unter die Zündtemperatur abzukühlen.
Falls die Übungsteilnehmer dies versäumen, löst der Ausbilder zur Strafe den "Flashover" aus, eine Woge aus Feuer, die unter der Decke entlang rollt und einen starken Temperaturanstieg mit sich bringt.
Der Truppführer ist mit Handscheinwerfer und Funkgerät ausgerüstet. Er hält Funkverbindung mit dem Leitstand (im Einsatzfall mit dem Gruppenführer) und meldet laufend die Lage im Brandobjekt, besonders die bekämpften Brandherde, die abgesuchten Räume, aufgefundene Personen und den Vorrat an Atemluft.
Hier müssen die Übungsteilnehmer ordentlich Löschwasser aufbringen, um den Lodrian niederzukämpfen. Auch diesmal ist Sprühstrahl die beste Methode. So wird der Kühleffekt des Wassers am besten ausgenutzt und der Wasserschaden in einem vertretbaren Maß gehalten.
Das Foto wurde aus verständlichen Gründen ohne Brandrauchsimulation aufgenommen. Während der Übung können die Kameraden infolge der Verqualmung mit Disko-Nebel außer den Flammen fast nichts erkennen. Die Sicht wird durch Wasserdampf, der beim Löschen entsteht, zusätzlich behindert. Eine Fortbewegung ist nur auf Händen und Knien möglich, da die Hitze im Raum für aufrechten Gang zu groß ist.
Am "Bett" erkennt man deutlich die Steuer-Elemente und Zuleitungen für die eingebauten Gasbrenner.flu 2002 9Kameraden der FF Rabenau unterstützen den vorgehenden Trupp, indem sie die Schlauchleitung ins Brandobjekt nachschieben.

Es gilt der Grundsatz:
Zur Brandbekämpfung nur mit Wasser am Rohr ins Objekt!
Eine C-Druckschlauchleitung wiegt bei einem Druck von 8 bar etwa 50 Kilo. Diese Last durch mehrere Räume oder gar Treppen hinauf zu ziehen, ist Schwerstarbeit
Unten links steht ein Kraftstoffkanister, den der Angriffstrupp bereits gefunden und aus der Gefahrenzone geborgen hat. Auch in Wohnräumen sind kleinere Mengen gefährlicher und explosiver Stoffe keine Seltenheit.
Der Oelsaer Trupp Paul/Mende hat eine der vermissten Personen gefunden und aus dem Gefahrenbereich geborgen.
Es handelt sich dabei um die Nachbildung eines Kinderkörpers. Das Gewicht der Puppe entspricht allerdings dem Vorbild, so dass die Bergung recht schwierig wird, will man auch Ausrüstung und Schlauch mit nach draußen nehmen.
Die Lagerung der geretteten Person hier im Bild ist freilich nicht als "patientengerecht" zu bezeichnen. Im Einsatzfall wären selbstverständlich Sanitäter oder weitere Kameraden zur Stelle, die sich um das Brandopfer ordnungsgemäß kümmern würden.
Der Trupp geht unterdessen erneut vor, um sich im Obergeschoss des Brandhauses, der Werkstatt, umzusehen.
Im Hobbyraum steht mitten in den Flammen eine Gasflasche. Explosionsgefahr! Hier heißt es sofort mit dem Wasserstrahl kühlen oder besser noch:
Rückzug! Leben und Gesundheit der Einsatzkräfte haben oberste Priorität.
Schluss: Die Kameraden sind schweißgebadet. Doch hat sich die Strapaze gelohnt - dem Geretteten auf dem Armen der Kameraden geht es gut.
Ein lehrreicher und heißer Ausbildungstag bei den "Profis" ist zu Ende.


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